Eine deutsch-türkische Geschichte

Berliner Morgenpost - Reinickendorf

Die Reinickendorferin Nesrin Kismar hat mit "Arda und der Spuk von Tegel" einen Roman über Integration und interkulturelle Freundschaft geschrieben.

Janine Richter

TEGEL- "Deutschling, also Almanci, sind in Deutschland lebende Türken. Wir leben hier, aber gehören eigentlich zu einem anderen Land. Aber wenn wir in der Türkei sind, merkt jeder sofort, dass wir doch aus Deutschland kommen." Dieser Satz beschreibt wie kaum ein zweiter im Buch "Arda und der Spuk von Tegel" (Shaker Media, zehn Euro) das Lebensgefühl von türkischen Einwanderern in Deutschland. 
Die Reinickendorferin Nesrin Kismar ist selbst 1973 in Izmit in der Türkei geboren und verpackte dieses Lebensgefühl in ihrem Jugendroman. Vordergründig geht es um die Freundschaft zweier Jungen. Arda, ein fröhlicher und neugieriger Elfjähriger mit türkischen Wurzeln lebt in Tegel. Lennard, ein deutscher Junge, ist sein bester Freund. Die Kumpels radeln in den Sommerferien durch Tegel, erkunden gemeinsam die Geschichte des Ortsteil und gehen dem Spuk im Wald auf den Grund. Bei Familientreffen an der Greenwichpromenade oder in der "Alten Waldschänke" an der Karolinenstraße spricht Arda mit seinen Verwandten über die eigene Familiengeschichte, die mit Tegel eng verbunden ist. Sein Vater Ahmet betreibt einen Dönerladen, seine Mutter Reyhan kümmert sich um den Haushalt und die Kinder.
Nesrin Kismar verarbeitet in ihrem Roman die Erlebnisse von vier Einwanderergenerationen in Deutschland. Einst kamen ihrer Großeltern als Gastarbeiter nach Berlin. Die Autorin selbst war an 1974 ein sogenanntes Kofferkind und lebte in der Türkei bei den Großeltern, während ihre Eltern in Deutschland arbeiten. Sie reisten zwischen der Türkei und Deutschland hin und her. "Ich habe als leises und braves Kind dennoch immer meine Großeltern gefragt, wo meine Eltern sind.", erinnert sich die Autorin. "Es ist nicht einfach gewesen, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen." Wenn Onkel Osman im Buch von seiner heißen, staubigen und körperlich schweren Arbeit in den Borsigwerken erzählt, spiegelt es die realen Erlebnisse eines ihrer Familienmitglieder wieder. Wenn in einer Passage der Onkel von der inneren Zerrisenheit und vom Zwiepalt türkischer Einwanderer spricht, liest sich das so: "Ich sage dir aber was, mein Junge, wenn du hier bist, wirst du dich nach der Türkei sehnen, und in der Türkei nach Deutschland. Das , wonach man sich sehnt, ist immer schöner." Dann beschreibt er ein Gefühl, das viele Deutsch-Türken kennen, glaubt Nesrin Kismar. "Es war mein Traum, die Familiengeschichte aufzuschreiben und mit vielen Orten in Tegel, wie der 'Waldschänke' oder 'der Dicken Marie' verbinde ich glückliche Kindheitserinnerungen", sagte sie. 

Nesrin Kismar studierte in Istanbul Physik und lebt seit 1994 mit ihrem Mann und den vier Söhnen in Tegel. Den kindgerecht erzählten Roman habe sie für ihre Kinder geschrieben. Vier Monate habe sie gebraucht. Das Buch behandelt auch die Themen Integration und interkulturellen Freundschaften, beleuchtet positiv in den Figuren Arda und Lennard, wie dies gelingen kann. Denn für beide Kumpels sind Toleranz, Akzeptanz und gegenseitiges Lernen selbstverständlich. "Mir war es auch wichtig, die positiven Aspekte und gegenseitige Integration zu beschreiben - wie wir fühlen, was wir denken und uns erzählen", sagt Kismar.

Ihr neues Buch über "Arrangierte Ehen" in Berlin, was sie parallel zu diesem schrieb, sei bereits in Arbeit und soll noch bald erscheinen.
Donnertag, 15. März 2018

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